„Jesus Christus ist der Herr“ – zur Ehre Gottes, des Vaters. (Phil 2,11b)
Für dich: Die kommende Woche macht Hoffnung – egal, was geschieht
Liebe Freunde!
Es mag wohl auch den Erlebnissen meiner ersten Religionslehrer/innen und Katechet/innen geschuldet sein, dass sie anlässlich der Betrachtung der Karwoche die Wankelmütigkeit oder die Manipulierbarkeit der Massen betont haben. Vom "Hosanna dem König" bis zum "Kreuzige ihn (und nicht den Terroristen Barabbas)" sind nur ein paar Tage vergangen. Immerhin habe ich 16 Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs meine Schulzeit begonnen. In der 4. Klasse (1965) gedachten wir 10 Jahre Staatsvertrag und 20 Jahre Kriegsende, außerdem sind in diesem Jahr Adolf Schärf und Leopold Figl gestorben, die ebenfalls als Mitgestalter und Zeugen für das junge Österreich der 2. Republik gegolten haben und bis heute gelten.
Die Liturgie des Palmsonntags bringt diese Spannung ebenfalls zum Ausdruck. Im ersten Teil werden Palmzweige gesegnet und in Erinnerung an Jesu Einzug in Jerusalem in feierlichen Palmprozessionen in die Kirchen getragen. In der Kirche wird dann eine lange Passage aus einem der drei synoptischen Evangelien (Matthäus/Markus/Lukas), die "Passion", gelesen:
https://schott.erzabtei-beuron.de/fastenzeit/karwoche/PalmsonntagC.htm?datum=2025-04-13&r=1
Das Christentum hat etwas Verrücktes an sich: Den Glauben an einen Gott, der den Verbrechertod eines Nicht-Römers im römischen Reich stirbt - und dieser Glaube setzt sich durch, so sehr, dass er ab dem 4. Jahrhundert die europäische und orientalische Kultur wesentlich mitbestimmt. Viele kostbare Entwicklungen, wie soziales Engagement, Aufhebung mancher Klassen- oder Rassenunterschiede, künstlerische und architektonische Entwicklungen stehen machtpolitischen Fehlentwicklungen mit einseitigem Selbstbewusstsein, die Besten zu sein, gegenüber. Es ist Erfolgs- und Misserfolgsgeschichte zugleich. Diese Spannung durchzieht also auch die Geschichte des Christentums.
Genau das macht die Passionsgeschichte aber auch bewusst: Wir werden erst "die Guten", wenn wir uns bewusst sind, dass dies kein Verdienst ist, dass wir mit echter und nicht gespielter Demut an das Leben, an die Schöpfung und aneinander herangehen.
Der übertriebene Stolz (Hybris), den wir heute bei manchen Machthabern bekritteln, ist kein guter Ratgeber. Ehrfurcht und Respekt jedoch schon. In der 2. Lesung zeigt Paulus, dass die Selbstaufgabe Jesu die Quelle seiner Größe ist. Und beim Letzten Abendmahl der Passionsgeschichte des Lukas wird der Auftrag Jesu, füreinander zu Dienern zu werden, deutlich.
So, und nur so, werden wir echte "Pilger der Hoffnung". Gehen wir durch diese Heilige Woche dem österlichen Licht entgegen, so dass wir mit und wie Maria dankbar strahlende Leuchttürme🗼 und belebende Shooting-Stars 💫 werden, die dieser Welt das Osterfeuer der Hoffnung reichen,
das wünscht Euch
Euer Pfr. Dr. Bernhard Mucha