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Die Erscheinung Jesu vor Maria von Magdala

Die Erscheinung Jesu vor Maria von Magdala

(Joh 20)

Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein. Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten. Diese sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wohin sie ihn gelegt haben.

Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast! Dann will ich ihn holen. Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister. Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.

Es gehört wohl zu den faszinierendsten Begegnungen in der Bibel, die auch Künstler animiert haben: Die Begegnung Maria von Magdalas mit dem Auferstandenen, den sie zunächst für den Gärtner hält, wie es in unserem Fall Tizian darzustellen versuchte.

Da ist eine Frau, die unter den Jüngern und Jüngerinnen des Herrn war, und die offensichtlich über seinen Tod sehr erschüttert war. Sie ist aber auch eine der Frauen, die treu zu ihm geblieben sind, bis in die Todesstunde und darüber hinaus. Ihre Erschütterung hindert sie nicht daran, sein frisches Grab aufzusuchen und nach ihm zu fragen. Obwohl sie offensichtlich dem sie Anredenden Vertrauen schenkt, erkennt sie ihn nicht. Das ist doch verständlich: Denn ER kann es doch nicht sein, er ist doch erst vorgestern am Kreuz elendiglich zugrunde gegangen. Erst im Klang ihres eigenen Namens erkennt sie IHN: Da ist so viel Vertrauen. Im Namen wird sie erkannt und erkennt sich und ihn.

„Halte mich nicht fest“: Ein geheimnisvoller und bedeutsamer Satz – Wir Menschen können ihn nicht festhalten, wer das versucht, hat schon verloren. Das trifft schon auf jeden Menschen zu: Je fester man jemanden halten, eine Person oder Sache bewahren will, um so größer die Gefahr das Festgehaltene zu verlieren. Vertrauen und Loslassen können schenkt einem selbst und jedem anderen die erforderliche Freiheit.

„Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen“ Das ist die erste apostolische Sendung. Die 11 Apostel erfahren erst anlässlich der Himmelfahrt, dass sie das neue Leben in und durch Jesus Christus allen Völkern verkünden sollen. Maria von Magdala bekommt den Auftrag hier, am Grab des Auferstandenen und wird so in einem wahren Sinn „Apostelin der Apostel“ (P. Franziskus). Es stimmt, dass sie nicht zu den 12 gehört, Matthias wird erst nach der Himmelfahrt als Ersatz für Judas in den Zwölferkreis gewählt. Man muss aber bedenken, dass auch Paulus, der zweite „Apostelfürst“ neben Petrus, nicht zu den 12 gehört.

Die erste Apostelin ist demnach Maria, die Frau aus Magdala, die wir auch als Maria Magdalena kennen. Sie nimmt den Auftrag an und führt ihn auch sofort aus: „Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen.“ Die Einheitsübersetzung nimmt das sehr präzise Wort „verkündete“, griech.: ἀγγέλλουσα – angelusa, einen biblischen Fachausdruck für „göttliche Botschaft verkünden“.

Es ist spannend, dass dies über Jahrhunderte nicht so klar gesehen wurde, die Bibel und die ersten „nachblischen“ Jahrzehnte haben die Rolle der Maria von Magdala deutlicher beschrieben. Papst Franziskus ruft es wieder in Erinnerung und reiht sie gleichwertig unter die zu feiernden Apostelgestalten. Immerhin war sie die erste, die die Tatsache, dass Jesus lebt, sogar den Aposteln verkündet hat. Die Bibel ist auch für unsere Zeit voller Überraschungen. Und die Apostel-innen zeigen uns eine noch größere Vielfalt des Apostel- und Jünger-Seins, als sie in den letzten Jahrzehnten sichtbar war.

Eine Anregung selbst wieder mehr Apostel sein zu wollen und zu können, von dem zu reden, was unser Herz im Glauben erfüllt … !?

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